Restaurant Bewertungen

Ein kleiner Ausflug in die Geschichte. Michelin ist bekanntlich ein Hersteller von Reifen. So entwickelte man 1900 für Autofahrer eine Auflistung von Werkstätten – der ursprüngliche Guide Michelin. 1923 kamen mit Restauranttests Empfehlungen hinzu, was sich unterwegs alles genießen lässt. Heute sind Restaurantbewertungen sowohl als gedrucktes Buch, als App auf dem Handy oder auch mit online Angeboten verfügbar. Ich habe mal einige interessante aufgelistet – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Zwischengericht bei einer Restaurant Bewertung

Michelin Restaurantführer

Das haben alle schon einmal gehört: Sternerestaurant. Der Guide Michelin bewertet besonders gute Restaurants mit einem, zwei oder drei Sternen. Daneben existieren aber noch andere Bewertungen, die sehr schöne, kulinarische Erlebnisse bringen. So hat der Michelin auch sogenannte „Bib“ Bewertungen. Genauer heißen Sie Bib Gourmand. Das sind Restaurants, die eine gute Qualität zu einem vernünftigen Preis anbieten. Die klassische Bewertung seit 1936 ist für einen Stern: Hier lohnt sich das Anhalten, die Küche verdient Beachtung. Zwei Sterne lohnen einen Umweg. Drei Sterne sind wegen der kulinarischen Höchstleistung ein lohnendes Reiseziel.

Restaurant Test, Fischgericht

Gault Millau

Das etwas weniger bekannte, jedoch genau so wichtige Bewertungssystem für die Spitzengastronomie ist der Gault Millau Restaurantführer. Restaurants können Bewertungen von 1 – absolut ungenießbar bis 20 – perfekt erreichen. Ab 11 Punkten ist ein Restaurant für den Gault Millau brauchbar. Bei 13 und 14 Punkten kommt zusätzlich als Symbol eine Kochmütze – in Österreich Haube. 15 und 16 Punkte sind 2 Mützen, 17 und 18 drei Mützen, ab 19 gibt es vier Mützen. Je besser die Bewertung, desto ausführlicher fällt auch die Beschreibung aus. Der Gault Millau ist dabei bekannt für seine süffisanten Kommentare. Immerhin wurde dieser Restaurantführer von zwei Journalisten entwickelt, die kein Blatt vor den Mund nahmen. Sowohl der Guide Michelin, wie auch der Gault Millau haben Internetseiten mit einer Auflistung der Gaststätten.

Dessert bei einem Restaurant Test

Varta Guide

Vor allem in Deutschland ist der Varta-Führer eine Institution. Seit 1957 erscheinen die ansprechenden Kritiken von Hotels und Gastronomie. Das Bewertungssystem vergibt Diamanten. Ein Diamant ist eine überdurchschnittlich gutes Angebot mit freundlicher Atmosphäre. Zwei Diamanten sind in einem gepflegten Rahmen eine sehr gute Küche mit freundlichem Service. Drei Diamanten bieten ein hochwertiges Ambiente, stilvolle Tischkultur sowie ein hervorragendes Angebot an Speisen und Getränken. Vier Diamanten haben eine aufwändige Ausstattung des Restaurants, anspruchsvolle und kreative Gerichte und eine erlesene Weinauswahl. Die Spitzengastronomie mit fünf Diamanten erreicht eine außergewöhnliche Küchenleistung in einem luxuriösen Flair und erstklassigem Service. Varta testet ziemlich viele Restaurants und Hotels im deutschsprachigen Raum.

Steak bei einem Restrauranttest

Gusto

Dann hätten wir noch den Gusto. Entstanden ist er im bayrischen Raum, hat aber mittlerweile sehr gute deutschlandweite Restaurantkritiken. Der Gusto vergibt Pfannen als Bewertungssymbole. Es fängt an bei 5 Punkten für beispielsweise frische Produkte, handwerklich gute Arbeit. Sechs Pfannen stehen für überdurchschnittliche Produkte, hohe und stabile Handwerkskunst, überdruchschnittlichem Niveau. Sieben Pfannen sind sehr weit über dem Durchschnitt mit sehr guten Produkten und kreativem Kochen. Acht Pfannen bedeuten unter anderem kreative Kochkunst, hervorragendes Handwerk. Neun Pfannen sind u.a. beste Produkte und herausragend hohe, konstante Küchenleistung mit Kreativität. Zehn Pfannen sind Perfektion aus handverlesenen Produkten, bester und konstanter Kochleistung sowie perfekter Ausführung oder kreativen Höchstleistungen.

Restaurant-Bewertung: Tournedo als Hauptgericht

Schlemmeratlas

Der Schlemmeratlas wurde ursprünglich von der Mineralölfirma Aral aufgelegt. Er beschreibt die Restaurants nach Kochlöffeln, zwischen einem und fünf. Ein Kochlöffel bedeutet ambitionierte Küche. Bei fünf Kochlöffeln ist das Restaurant herausragend, verarbeitet erstklassige Grundprodukte und hat eine hohe Kreativität. Dazu kommen Spitzenweine, ein hervorragendes Ambiente und perfekter Service. Interessant: auch der Trend wird angegeben.

Hauptgericht Restaurant

Der Große Restaurant & Hotel Guide

Ähnlich wie der Varta Führer wird bei Der Große Restaurant & Hotel Guide recht ausführlich die deutschsprachige Gastronomie beschrieben. Die Bewertung startet bei einer Kochmütze mit sehr guter Küche. Zwei Mützen symbolisieren gehobene Küche. Drei Mützen stehen für anspruchsvolle Küche. Vier Mützen bedeuten exzellente Küche. Die Höchstwertung von fünf Mützen steht für eine der besten Küchen.

Der Feinschmecker

Das ist eigentlich bekannter als Zeitschrift. Interessant und aussagekräftig ist auch der jährlich erscheinende Restaurantführer. Hier werden relativ wenig Restaurants getestet (so um die 500 im Jahr 2016), dafür werden sie recht genau analysiert. Tendenziell zielt der Feinschmecker eher auf gehobene Gastronomie, Empfehlungen für „normale“ Restaurants werden Sie weniger finden.

Ristoranti d’Italia

Wer öfter in Italien unterwegs ist, kann sich den Ristoranti d’Italia von Gambero Rossi besorgen. Hier geht die Wertung mit ein, zwei oder drei Gabeln.

Reine Internet Plattformen

Im Zeitalter des Web kommen weitere Onlinebewertungen und enstprechende Plattformen hinzu. Tripadvisor dürfte international die bekannteste sein. Dazu gibt es viele regionale Portale. Was mir persönlich recht gut gefällt, sind auch die Bewertungen bei Google, direkt mit Anfahrtsplanung in Google Maps. Yelp kann man ebenfalls zu Rate ziehen.

Kann man Restaurantkritiken trauen?

Jein. Wenn die großen Restaurantführer gleichermaßen bewerten, haben zu verschiedenen Zeitpunkten Menschen offenbar eine gleichbleibend hohe Qualität genossen. Was bei den reinen Internetportalen abläuft, muss nicht immer stimmen. So sind durchaus Fälle bekannt, bei denen Bewertungen mit eigenen Einträgen nach oben oder durch Konkurrenz nach unten „frisiert“ wurden. Auch kommt es darauf an, wie aktuell die tatsächlich aussagekräftigen Bewertungen sind. Wechselt der Küchenchef oder der Eigentümer, hat dies oft recht deutliche Veränderungen zur Folge.

Das hilft jetzt natürlich wenig, wenn man nicht gerade ein Sternelokal sucht, sondern nur ein gutbürgerliches Gasthaus, einen Italiener oder einen Chinesen. Die sind bei den großen Restaurantführern nicht unbedingt gelistet. Aber man kann durchaus Tendenzen erkennen. Vorsichtig wäre ich, wenn es fast nur gute und schlechte Bewertungen gibt. Da fehlt das zu erwartende statistische Mittel. Auch sollte man auf die weiteren Bewertungen eines Nutzers klicken. Wenn da nur jeweils einmal „gut“ oder „sehr gut“ steht, könnte jemand getrickst haben. Das Sicherste: Viele Bewertungen, ein klarer Trend ist erkennbar. Es gibt ein paar Ausreißer nach oben oder unten.

Wie erkenne ich selbst ein gutes Restaurant?

Zunächst einmal an der Speisekarte. Wer als kleines Restaurant ein wildes Sammelsurium von 80+ Gerichten: Steak, Pizza, Salat, Suppen, Fisch, vegetarisch, Wild, Burger, Nudeln, Eis, Fast-Food, Torten und was auch immer anbietet, kann nicht gut sein. Kein Restaurant, auch nicht das beste, kann überhaupt die ganzen Zutaten frisch und in guter Qualität auf Lager haben. In den besseren Restaurants herrscht Aufgabenteilung. Für wie groß halten Sie die Wahrscheinlichkeit, dass ein, zwei Köche alleine gleichermaßen gut braten, Saucen zubereiten, Fisch verfeinern, Pizza backen, obendrein noch gute Kuchen oder Eis machen können und obendrein prima Zutaten haben? Null.

Ausnahmen sind hier Pizzerien und Asiaten. Pizza und viele asiatische Gerichte sind „Baukastensysteme“, mit denen sich aus Grundprodukten zig Variationen schaffen lassen. Bitte nicht bei 30 oder 40 Pizzen erschrecken, das geht.
Pizza in einem Restaurant

Also, erst mal gucken, was überhaupt angeboten wird. Steht auf der Speisekarte so etwas wie *Geschmacksverstärker“, versucht der Koch, mit Pülverchen nachzuhelfen. Glauben Sie mir, das ist nicht nötig, wenn man gut kocht. Eine Sauce kann genauso gut – und besser – den Geschmack darstellen, wenn man beispielsweise die klassischen Saucen und Saucenansätze kocht. Pülverchen braucht man wirklich nicht.

Der Nase nach. Wenn etwas auf dem Teller gut riecht, kanns schon mal nicht unterirdisch sein. Im Vorbeigehen einfach (natürlich nicht mit der Nase im Gericht am Nebentisch!) schnuppern.

Speisen dort auch die Einheimischen oder ist es eine Touristenfalle? Einfach mal auf den Dialekt höhren. Im Ausland ist das noch einfacher. So bin ich einmal auf der Suche nach einem guten Restaurant durch Rethymnon auf Kreta gelaufen. Das Näschen in den Wind, aha, riecht schon mal brauchbar. Kurz stehen bleiben, aha, alles Griechen. Gut gekleidet, also nix für zwischendurch. Herrlich ;-).

Wenn Sie Restaurantempfehlungen von Hotels oder anderen Reisenden bekommen: Mhhh, sind das Freunde des Hoteliers? Was haben die Mitreisenden für einen Anspruch ans Essen? Wer nur Burger gewohnt ist, findet ein mittelmäßiges Steak überragend. Wer ganz genau sagen kann, warum etwas gut ist, hat schon mehr Vergleichmöglichkeiten kennen gelernt…..

All das sind so kleine Tricks, wie man zumindest einen Reinfall ausschließen kann. Mit ein wenig Glück bekommt man richtige Highlights, die sowohl von der Atmosphäre, wie vom Genuss hervorragend sind.