Kreta

Kreta ist die größte griechische Insel und bietet eine enorme Vielfalt. Sie werden sich jetzt wundern, warum ich nicht so viele Bilder von Stränden einsetze. Ganz einfach. Auf Kreta gibt es überall genügend Strände. Von feinsandig bis Kies. Wenn man nur am Strand liegen möchte, kann man das auf der ganzen Insel. Ich möchte Sie neugierig machen, was Kreta sonst noch zu bieten hat. Und das ist eine ganze Menge mehr als eine beliebige Strandliege.

Bucht auf Kreta mit Strand

Rethymnon (griechisch Rethymno)

Eine der größeren Städte auf Kreta. Rethymnon hat eine sehr schöne Altstadt und einen schnuckeligen Hafen mit Cafes und Gaststätten. Die Atmosphäre ist entspannt. Hier finden sich eher anspruchsvollere Unterkünfte und auch Urlauber. An der Küste entlang sind mit sehr guten Strandanbindungen verschiedene Hotels entstanden. Meist gute Mittelklasse bis richtig luxuriös. Die Freizeitgestaltung zielt, nicht wie in Chersonissos, öfter auf hochwertige Angebote und auch ein guter Golfplatz nebst Training für Golf steht bereit.

Rethymnon auf Kreta

Oberhalb der Stadt liegt eine alte Festung. Sollte man besuchen, interessant. Zumal man von dort aus einen schönen Ausblick auf die Stadt und die Küste hat.

Blick auf Rethymnon, Kreta

Die Festung selbst ist ganz schön anstrengend im Sommer. Die Sonne knallt prall herunter und beispielsweise ein Kiosk ist nicht in der Nähe. Wenn man also etwas länger herumstöbern möchte, ist eine mitgebrachte Mineralwasserflasche eine gute Idee.

Festung von Rethymnon auf Kreta

Heraklion (griechisch: Iraklio)

Die größte Stadt auf Kreta. Hier liegt auch der Flughafen Heraklion HER, der (noch) wichtigste auf Kreta. Gleichzeitig beherbergt die Stadt den wichtigsten Hafen mit einer ganzen Reihe von Fährverbindungen. Entsprechend der Größe und der wirtschaftlichen Bedeutung ist Heraklion eigentlich wenig für einen Aufenthalt während des Urlaubs geeignet – die typischen Touristengebiete liegen eher anderswo. Allerdings hat Heraklion einige sehr schöne Stadtteile, ein tolles Museum und ist Verkehrsknotenpunkt.

Kirche in Heraklion

Auch zum Einkaufen eignet sich die Stadt sehr gut. Hier findet man alle möglichen Angebote sowohl des täglichen Bedarfs, wie auch einige sehr hochwertige Läden. Da in unregelmäßigen Abständen Russen in die Stadt einfallen (wenn es der russischen Wirtschaft ausnahmsweise gut geht), sind sogar Pelzmäntel im Angebot. Viel interessanter finde ich das Museum. Hier sind verschiedene Fundstücke von Ausgrabungen auf der ganzen Insel zusammengetragen und bieten einen Überblick von der Antike bis zur Neuzeit.

Heraklion, Museum

Um es klar zu sagen: Was dort ausgestellt wird, war entscheidend für die kulturelle Entwicklung. Die Exponate sind Zeugen einer Hochkultur, die von der Demokratie bis zur Kunst in unsere Zeit hinein reicht. Und hier stehen ganz einfach die Originale, welche man beispielsweise im Schulbuch abgebildet sah oder was Referenz in einem Lexikon ist.

Minoischer Stierkopf im Museum von Heraklion

So ganz nebenbei findet man sehr schöne Straßenzüge, wenn man die Stadt zu Fuß erkundet. Auch kann man einmal am Hafen vorbeischauen und sich das muntere Treiben ansehen. Immerhin sind Fähren zwischen den griechischen Inseln ein gern genutztes und wichtiges Verkehrsmittel. Dazu kommen eine Menge Fischerboote und natürlich auch Freizeitkapitäne.

Hafen in Heraklion

Chersonissos (griechisch Limenas Chersonisou)

Das ist einer der beliebtesten Touristenorte auf Kreta. Vom Flughafen Heraklion braucht man weniger als 30 Minuten. Hier findet sich ein gemischtes Publikum, vom einfachen Partyvolk bis zu sehr gehobenem Ambiente. Die Innenstadt beherbergt Discotheken und Clubs (idR deutlich niveauvoller als Malia). In den Außenbezirken liegen Hotels von einfach bis zu 4 oder 5 Sternen.

Hotel in Chersonissos, Kteta

Es kommt sehr darauf an, welches Hotel mit welchen Gästen man auswählt. Einfache Hotels mit all-inclusive und eher spassbewusstem Publikum sind ebenso anzutreffen, wie gute all-inclusive Angebote oder auch schöne Häuser mit gehobenem Ambiente. Wie gesagt, prinzipiell alles vorhanden. Die Verkehrsanbindung ist sehr gut, wenn man beispielsweise einmal Heraklion oder Knossos sowie im Osten Ierapetra, Agios Nikolaos oder auch Malia besuchen möchte. Das wäre von Rethymnon aus schon eine erhebliche Fahrzeit. Auch Busse verkehren brauchbar. Zur Lasithi-Ebene kommt man am besten über Malia. Dann locken auch anspruchsvolle Ausflüge mit dem Mietwagen in die Gebirgsregionen. Schwieriger wirds Richtung Sitia. Das sieht auf der Karte gar nicht so weit aus aber dank reichlicher Kurven und Serpentinen ist die Strecke ganz schön lang und man sitzt sich im Auto ziemlich den Hintern platt. Überlegenswert ist dann eine Fährüberfahrt ab Heraklion – da kann man sich wenigstens zwischendurch noch die Füße vertreten.

Küste Chersonissos, Kreta

Der Strand ist in Chersonissos selbst oft eher Kies. Es reicht, um ins Wasser zu gehen. Etwas weiter die Küste entlang (noch zum Ort gehörend) sind brauchbare Sandstrände. Hier sollte man sehr genau die Katalogbeschreibungen lesen und sich notfalls auch beraten lassen. Die mittelgroße Stadt hat genügend Einkaufsmöglichkeiten. Das Freizeitangebot ist allgemein gut. Chersonissos ist familientauglich.

Agios Nikolaos

Mit rund 12.000 Einwohnern ist Agios Nikolaos ein bedeutendes Touristenziel geworden. Man findet keine riesigen Hotelanlagen aber gute Unterkünfte bis in den gehobenen Bereich. Die Stadt hat eine Art Binnenhafen, den Voulismeni-See. Rundherum laden Cafes und Gaststätten zum Verbleib ein. Direkte Strände gibt es nicht. Dafür ist die Stimmung in der Stadt recht entspannt und in kurzer Zeit sind auch gute Badebuchten erreichbar. Sehr gut sind auch die Fährverbindungen und die Busanbindung. Selbst ohne Mietwagen ist man gut unterwegs. Der Transfer vom Flughafen Heraklion dauert zwischen 45 Minuten und einer Stunde.

Agios Nikolaos auf Kreta von oben

Ierapetra

Dieser Ort liegt an der Südküste und ist Europas südlichste Stadt (außer auf Teneriffa). Bis Libyen sind es so um die 200 km. Ierapetra ist einer der entspannendsten Orte. Es ist herrlich unaufgeregt, kein Partyvolk, wenig Lärm. Die Touristen schätzen eine ruhige Atmosphäre bei gleichzeitig gutem Service und soliden Hotelangeboten. Nichts wirklich übertrieben und kaum etwas wirklich schlecht.

Ierapetra, Kreta

Die ganze Strandpromenade ist voll von verschiedenen Cafes und Restaurants. Oft mit sehr schöner Qualität. Wenig Souvenirgerümpel, wenig aufdringliche Verkäufer. Allerdings liegt Ierapetra doch etwas abseits und selbst bei brauchbaren Busverbindungen sieht man nicht so viel von der Insel. Hier ist auf jeden Fall ein Mietwagen empfehlenswert, mit dem man zumindest einmal bis Agios Nikolaos, Malia oder in die Berge oder Richtung Sitia fahren kann. In Ierapetra selbst kann man ein Auto oft vergessen, die schönen!! Altstadtgassen sind einfach viel zu eng. Also: relaxen, man macht sichs bequem und kann beispielsweise locker vom Cafe auf der Strandpromenade den Anglern zuschauen.

Blick vom einem Cafe in Ierapetra aufs Meer

Malia

Sehr schöner Strand, sehr schöne Ausgrabungsstätte und sehr viele besoffene Engländer 😉 . Scherz beiseite. Malia ist eine Kleinstadt, in der vor allem jüngere Touristen unterwegs sind. Die Altstadt ist schnuckelig aber dürftig. Drumherum gibts alle möglichen Hotel- und Ferienanlagen hauptsächlich in unteren Preisklassen, was man denen auch oft ansieht. Inklusive dem Publikum. Ok, das ist nun wirklich austauschbar. Wer auf blühendes Nachtleben und Krach steht, ist hier richtig. Urlauber mit etwas Anspruch oder Familien sollten einen großen Bogen um Malia machen. Viel interessanter finde ich da den wirklich schönen Strand und vor allem die Archäologie.

Ausgrabungen in Malia, Kreta

Ein sehr netter Professor hat den Besuchern den aktuellen Stand der Forschungen geschildert. Schon beeindruckend. Malia war exzellent ausgestattet mit Lagerkapazitäten. In der Frühzeit blühte der Handel sowohl mit anderen Orten auf Kreta, wie auch mit dem gesamtem Mittelmeerraum. Öl, Getreide, Wein – alles war mehr als reichlich vorhanden und wurde in sehr großen Mengen per Schiff verfrachtet. Dazu kam ein fortschrittliches Handwerk und natürlich auch reichlich Kunst. Die Wirtschaft blühte im minoischen Zeitalter, auch Forschung und Lehre hatten ein hohes Niveau. Hier noch ein überlebensgroßes Gefäß zur Lagerung von Olivenöl – eins von mehreren Hundert:

Ausgrabungen, Malia auf Kreta

Nachweisbar ist ein enormer Einbruch vor rund 3.600 Jahren, als die Nachbarinsel Santorin in die Luft flog. Der entstehende Tsunami erreichte wohl um die 20 m Höhe und fegte auf Kreta Küstenorte hinweg. Bis wieder der alte Stand erreicht wurde, dauerte es sehr lange. Nicht nur deswegen graben sich die Forscher durch verschiedene Schichten und stoßen immer wieder auf neue Details.

Ausgrabung auf Kreta in Malia

Den schönsten, ruhigen und auch am wenigsten erschlossenen Strand gibt es übrigens direkt neben der Ausgrabungsstätte. Einfach links abbiegen, parken, fertig.

Knossos

Das ist bekannteste Ausgrabungsstätte auf Kreta. Bis zu 6.000 Jahre zurück reichen die ersten Besiedlungsspuren. Vor 3.600 Jahren hatte die Stadt mindestens 10.000 Einwohner. Andere Schätzungen gehen von bis zu 100.000 Einwohnern aus. Damit war Knossos ein bedeutendes Zentrum der frühen europäischen Entwicklung. Paläste, Wirtschaftsgebäude und Wohngebäude waren von einem hohen Standard.

Augrabungen von Knossos auf Kreta

Schon in der Frühzeit gab es Frischwasserversorgung, Kanalisationen, umfangreiche Lagerräume sowie hochwertiges Kunsthandwerk. Am bekanntesten ist heute der Palast von Knossos. Die gefundenen Gebäude, Kunstgegenstände und auch Gebrauchsgegenstände deuten auf eine sehr hoch stehende minoische Kultur hin.

Palast von Knossos auf Kreta

Erst 1878 wurde die Siedlung durch Minos Kalokairinos, einen Hobby-Archäologen, wiederentdeckt. Schlieman und Dörpfeld besuchten das Gelände 1886. Der heute oft als bekanntester Archäologe Kretas gefeierte Arthur Evans kam erst 1894 nach Knossos. 1900 begannen (nach der Befreiung von den Türken) die Ausgrabungen des heute über mehrere Zehtntausend Quadratmeter großen Geländes.

Knossos, Palast

Dabei stieß man unter bis zu 8 m hohen Deckschichten auf unterschiedliche Siedlungsstrukturen. Von späten Palästen und Prunkgebäuden buddeln sich die Archäologen bis in die frühe Antike noch weit vor der klassischen Bronzezeit. Selbst hier sind für die damalige Zeit extrem fortschrittliche Strukturen erkennbar.

Tempel und Palast, Ausgrabungen Knossos

Die Siedlung muss erhebliche Wirtschaftsbeziehungen im gesamten Mittelmeerraum gehabt haben. Überall sind riesige Vorratsgefäße und Lager erkennbar. Auch schienen die Minoer eine sehr enge Verbindung mit Ägypten zu pflegen. Diverse Kunstgegenstände haben Parallelen zu Funden in Ägypten.

Große Amphoren, rekonstruktion in Knossos

Viele der Kunstgegenstände sind heute im Museum von Heraklion zu besichtigen. In Knossos selbst gibt es gute Führungen, auch deutschsprachig. Wenn man sich einmal überlegt, was Menschen schon vor zigtausend Jahren geschaffen haben, wow. Das Ausgrabungsgelände liegt etwa 4 km südlich vom Zentrum Heraklions. Die Anfahrt ist sehr gut ausgeschildert, es gibt mehr als ausreichend Parkplätze. Ein Restaurant bietet Erfrischungen an. Man sollte sich das Gelände ansehen, wenn nicht gerade ein paar Busladungen Touristen abgefertigt werden. Lieber kurz hinsetzen und abwarten, bis der Trubel durch ist. Einige Gebäudeteile sind teilrenoviert, um einen ungefähren Eindruck der ursprünglichen Substanz zu erhaschen:

Teilweise Renovierung des Palastes von Knossos

Ab in die Berge!

Kreta und Berge? Aber sicher! Der Psiloritis ist 2.456 Meter hoch, die Lefka Ori (weiße Berge) kommen auf 2.452 Meter, das Dikti-Gebrige erreicht 2.148 Meter und auch die Thripti-Gebirgskette im Osten schafft noch 1.476 Meter. Dazwischen liegen die extrem fruchbaren Ebenen von Messara, die ebenso fruchtbare Lasithi-Hochebene mit durchschnittlich 830 Meter, das Omalos-Plateau mit bis zu 1.100 Metern sowie die 1.350 Meter hohe Nida-Hochebene.

Straße in die Berge auf Kreta

Wer beispielsweise vom Meer aus die Lasithi-Ebene besuchen möchte, fährt erst einmal über ziemlich hoch gelegene Passstraßen. Es gibt sehr gut ausgebaute Strecken, welche auch ein Sonntagsfahrer problemlos schafft. Sehr viel interessanter sind die Nebenbestrecken. Die Wege sind enger, man kommt durch interessante Dörfer, die Ausblicke sind schöner und es ist viel weniger los. Durchaus kann man an der Küste schönes Wetter haben, während die Hochebene etwas diesig ist:

Lasithi-Ebene Kreta

Die vergleichsweise gute Wasserversorgung, stabile Temperaturen und starke Sonne ermöglichen bis zu 3 Ernten pro Jahr. In den verschiedenen Ebenen werden alle möglichen Produkte angebaut, welche die Insel bestens und lecker versorgen. Was auf Kreta an Kartoffeln, Tomaten, Paprika, Obst…. gedeiht: richtig lecker. Die Messara-Ebene als Gegenbeispiel liegt auf maximal 250 Meter Höhe und fällt zum Meer hin ab. Sie ist trockener und hat deutlich mehr Olivenbäume. An das Omalos-Plateau kommt man nur von 3 Seiten heran.

Berge auf Kreta

Samaria-Schlucht

Wobei eine Möglichkeit nach Omalos, nämlich der Weg durch die Samaria-Schlucht, nun wirklich nicht von Autos zu bewerkstelligen ist. Die Schlucht ist ein wunderschöner Wanderweg. Sie ist geöffnet vom 1. Mai bis 31. Oktober – es sei denn, starke Regenfälle machen die Samaria-Schlucht unpassierbar. Die Schlucht wird um 06:00 geöffnet, nach 15:00 darf man nur noch eine kurze Teilstrecke besuchen. Um die 5 Euro Eintritt. Es geht auf 13 km (tatsächliche Wanderstrecke 16 km!) von 1.200 Metern Höhe hinab bis auf Meeresniveau. Die Landschaft ist ein absoluter Hammer! Zudem sind hier Pflanzen zu finden, welche sonst nirgendwo auf der Welt vorkommen. Aber anstelle schöner Bilder diese verdammt ernst gemeinten Hinweise:

Am besten lässt man sich vom Hotel bis zum Eintritt in die Schlucht fahren und wird dann am Ausgang der Schlucht wieder abgeholt. Das erspart auch die mühsehlige Fahrerei, wenn man dann doch etwas erschöpft herauskommt. Entsprechende Bustouren für Samaria sind auf der ganzen Insel buchbar. Am Ausgang der Schlucht bieten Kioske genügend Getränke und Snacks. Bei Unfällen gibt es ungefähr auf der Hälfte der Strecke einen Abzweig zum verlassenen Dorf Samaria mit einem Notruftelefon, dort kann auch ein Hubschrauber landen. Parkwächter passen auf, kümmern sich um Notfälle und registrieren auch die Wanderer. Melden Sie sich bitte am Ausgang der Schlucht entsprechend ab. Rechnen Sie locker mit 5 Stunden bei Bummeltempo. Genießen Sie die Landschaft, einfach toll!

Spinalonga

Eine beeindruckende, wenn auch sehr beklemmende Lokation ist die in der Bucht vor Agios Nikolaos gelegene Insel Spinalonga. In venezianischer Zeit entstand eine Festung. Nach der Eroberung durch die Türken diente die Insel bis ca. 1900 als Unterkunft für Siedler der Invasoren. Mit dem Abzug der Türken wurde die isoliert gelegene Insel zu einer riesigen Quarantäne-Station für Leprakranke. Zwischen ca. 1900 und 1950 war die hoch ansteckende Lepra nicht behandelbar. Bis zu 1.000 Menschen lebten hier isoliert bis an ihr Lebensende. Erst Anfang der 60er Jahre mit Aufkommen wirksamer Medikamente löste man Spinalonga als Quarantänestation auf. Heute sind die Festung und Versorgungseinrichtungen der Kranken mit einem kurzen Fährtrtip von Elounda und teilweise Agios Nikolaos erreichbar. Gruselig aber besuchenswert.

Spinalonga Kreta

Hier geht es weiter zu Flügen nach Kreta und Mietwagen sowie ergänzenden Tipps für den Urlaub.