Kos

Klein und fein. Das ist Kos, kurz vor der türkischen Küste. Mit ihren knapp 40.000 Einwohnern ist die Insel ein beliebtes Reiseziel, wenn man es etwas ruhiger haben möchte. Nicht, dass wir uns hier falsch verstehen. Durchaus sind schöne Feiern und Events im Angebot. Nur sind die meisten Hotels etwas kleiner als einige Bettenburgen auf anderen Inseln, es gibt nicht so große Nachtclubs und auch die großen Hotels sind recht weitläufig angelegt. Kos ist gleichzeitig der Name für die Insel und den größten Ort, also Kos-Stadt. Hier lebt mit knapp 20.000 Menschen der größte Teil der Insel. Hier findet man noch einen Gutteil typisch griechischen Flairs. Die Stadt und auch die Umgebung sind zwar quirlig aber nicht halb so überdreht wie Touristengebiete auf Mallorca oder Kreta.

Zuerst besiedelt wurde Kos wahrscheinlich um 3.000 v.Chr. Ab ca. 2.000 v.Chr. entstand auf einem Hügel in der Nähe des heutigen Hafens eine größere Siedlung. Sie zählte zur minoischen Kultur und war eine der größten außerhalb von Kreta. Handel und der erfolgreiche Anbau verschiedener Landwirtschaftsprodukte machten die Insel recht wohlhabend. Mehrfach rollte die Geschichte geradezu über die Insel hinweg. Alexander der Große, Römer, Kreuzfahrer, Türken und sogar Italiner und deutsche Truppen besetzten und verloren wieder. Sehr schön finde ich heute, dass man problemlos durch die Geschichte Europas laufen kann. Die Ausgrabungen sind allgemein frei zugänglich. Man begegnet neugierigen Touristen oder Einheimischen beim Einkaufen und saust gleichzeitig ein-, zwei- oder dreitausend Jahre zurück zu Wurzeln europäischer Kultur.

Orte auf Kos

Kos-Stadt liegt an der nordöstlichen Spitze der Insel. Hier hat man in der Altstadt eine recht relaxte Atmosphäre. Kleinere Hotels liegen im Innenstadtbereich. Oft sind das 2*, 3* oder 4* Häuser, inhabergeführt. Etwas außerhalb der Stadt kommen dann größere Hotels hinzu, die auch teilweise sehr aufwändige Strandanlagen, Bars, Pools und weit reichende Fitnessangebote haben. Tigaki in der Mitte, Norden, hat die schönsten Strände und ist mit verschiedensten Hotels erschlossen. Kefalos und Kardamena liegen an der Südküste, relativ weit im Westen. Ziemlich viel all-inclusive Angebote. Bis auf die Hotels ist dort relativ wenig los. Mastichari ist eine mittelgroße Stadt, hauptsächlich interessant als Verkehrspunkt. Tendenziell würde ich in Kos-Stadt oder Tigaki und ggf. dem Strandabschnitt dazwischen ein Hotel bevorzugen.

Agora, Stadtmitte, westliche Ausgrabung

Kein Scherz, eben noch im Restaurant oder in der Markthalle, steht man nach sehr kurzem Fußweg mitten in einem Ausgrabungsfeld. Ein Erdbeben zerstörte Kos-Stadt und beim „Aufräumen“ in den 30er Jahren stieß man auf beachtliche Siedlungsreste der Antike. Agora war ein Handelsplatz, offenbar reich. Bis hin zu Sportstätten und Kulturgebäuden reichen die Funde. Genau das macht wieder den Reiz der Insel aus. Gemütlich beim Lunch oder Bummel und unvermittelt ist man in eine längst vergangene Geschichte eingetaucht, die einfach selbstvertändlich erscheint.

Das Asklepion

Auf Kos liegt eines der ältesten „Krankenhäuser“ der Welt. Das Asklepieion (oder auf Deutsch Asklepion, benannt nach dem Heilgott Asklepios) ist ungefähr 3 bis 4 km entfernt von Kos-Stadt an einen Hang gebaut. Mit mehreren Ebenen standen religiöse Dienste, Aufenthaltsräume und auch Behandlungsräume zur Verfügung. Die heutigen Ruinen sind bis in den Bereich des 1. Jahrhunderts nach Christus entstanden. Absolut besuchenswert. Man erreicht das das Asklepieion wahlweise mit dem normalen Bus von Kos-Stadt aus, spaziert ein Dreiviertelstündchen oder kommt bei einer Inselrundfahrt vorbei.

Embros-Thermen

Seit der Antike ist eine Warmwasserquelle auf Kos aktiv und wird genutzt. Die Embros-Thermen liegen von Kos-Stadt aus ein paar Kilometer Richtung der Südostspitze bei Agia Fokas. Das Heilwasser kommt mit knapp 50 Grad aus dem Boden und soll sehr gut bei Entzündungen des Bewegungsapparates wie Rheuma, Arthritis und dergleichen helfen. Würde ich nur kurz besuchen.

Hippokrates

Genau, der Hippokrates. Er wirkte auf Kos und begründete einen großen Teil der modernen Medizin. Heute noch steht ein ziemlich alter Baum, eine Platane, an seinem ehemaligen Wirkungsort. Platia tou Platanou heißt heute der Platanenplatz. Man darf ohne Übertreibung sagen, dass hier kulturell und wissenschaftlich Grundlegendes geleistet wurde. Übrigens hatten die alten Griechen sehr weitläufige Handelsbeziehungen und einen Wissensaustausch quer über das Mittelmeer. Die griechischen Inseln, Stadtstaaten und Gemeinden betrieben munter Korrespondenz zur heutigen Türkei, nach Ägypten und Rom (sowie seinen Vorläufern).

Amphitheater

Noch aus der Antike liegt ein kleines Amphitheater, das Odeon römischer Zeit, etwas außerhalb der Stadt. Man kann problemlos vorbeischlendern und die Atmosphäre geradezu inhalieren. Recht nett ist auch die nicht allzu große Außenanlage. Mediterrane Bäume und schöne Sonne, passt.

Odeon - Amphitheater Kos

Festung Neratzia

Die Festung Neratzia wurde von den Johannitern wahrscheinlich im 13. Jahrhundert gegründet. Sie reicht vom heutigen Hafen bis in den Altstadtbereich herein. Erhalten sind einige Mauern am Hafen, der Mittelteil fiel Erdbeben und Eroberungen zum Opfer. Trotzdem besuchenswert. Vom Platanenplatz (Platia tou Platanou) führt eine kleine Steinbrücke zu den Festungsmauern. Die Festung wurd zusammen mit ihrem Gegenüber im türkischen Bodrum als Sicherung für den Handelsweg zwischen Alexandria und Konstantinopel genutzt. 1816 flog ein großer Teil der Festung in die Luft, das Schwarzpulver war erfunden worden. Klein aber fein.

Alikes-Salzsee

In der Nähe von Tigaki liegt der Alikes-Salzsee, früher eine Saline. Gerade im Sommer, wenn es richtig heiß wird, ist die Landschaft gespenstisch. Der Salzsee ist nur über eine sehr schlechte Straße (ok, ist ein besserer Feldweg) zwischen Tigaki und Marmari erreichbar. Hier tummeln sich teilweise Flamingos und die Strände rund um Tigaki zählen zu den schönsten der Insel. Also, etwa einen halben Tag einplanen oder gleich noch einen Strandaufenthalt in der Nähe.

Restaurants, Essen

Was man sich auf jeden Fall von Kos mitbringen sollte: Honig und Gewürze. Saugut, wirklich. Das bekommt man beides in Kos-Stadt am Marktplatz, der Agora. Dort hat die Genossenschaft schöne Verkaufsstände für Produkte der Region und natürlich den täglichen Bedarf. So ganz nebenbei sind auf und in der Nähe des Marktplatzes durchaus brauchbare Restaurants zu finden. Übrigens, Restaurants, gutes Thema. Hier lohnt ich der Bummel durch die Altstadt mit ihren vielen kleinen Lokalen. Man kann einfach der Nase nach gehen und findet so manche wirklich urige Gaststätten, die zudem richtig lecker kochen. Also: selbst bei All-Inclusive nicht nur auf die Hotelküche verlassen. Es gibt jede Menge zu entdecken und zu genießen.

Shopping

Natürlich bekommt man überall T-Shirts und fast echte Markenware, frisch gefälscht aus der Türkei ;-). Wer sich mit Lebensmitteln oder Drinks versorgen möchte, hat eine Vielzahl von kleinen Supermärkten und Imbissbuden zur Verfügung. Kos steht für relativ wenig Glamour. Nobelboutiquen und dergleichen sind sehr dünn gesät. Auch russisches Publikum trifft man nicht allzu häufig an.

Flüge nach Kos

Ohne Umsteigen gibt es im Sommer reichliche Charterverbindungen und Linienangebote von vielen Flugplätzen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und natürlich auch Holland, Belgien, Frankreich. Da hätten wir als Fluggesellschaften: Eurowings, TuiFly, Germania, Condor und auch Ryanair. Dazu kommen Austrian Airlines und Niki, Swiss, Thomas Cook oder Transavia. Man kommt also sehr gut hin und ebenso gut zu allen möglichen Zeitpunkten wieder zurück. Der Flughafen Kos Hippokrates KGS wird ganzjährig von Aegaean Airlines und im Codesharing von Olympic angeflogen. Die Flugzeit von Deutschland aus liegt bei ca. 3 bis 4 Stunden direkt. Im Winter muss man mit Aegean über Thessaloniki oder Athen mit rund 10 Stunden und mehr rechnen.

Ausflüge, Touren

Von Kos aus kann man prima mit Fähren zu anderen griechischen Inseln übersetzen. Der erste Link führt zu Blue Star, großen aber langsamen Schiffen auch für den Gütertransport. Kalymnos mit einer sehr schönen Historie erreicht man von Kos-Stadt mit der großen Blue Star Fähre und mit Fähren von ANEM oder ANEK ab Mastichari deutlich schneller – obendrein sehr günstig. Die Fähren pendeln ungefähr im Stundenrythmus – vom frühen Morgen bis in den Abend. Fast wie Busfahren, besonders mit den Schnellfähren. Da gäbe es noch zum Beispiel die Insel Nisyros, welche einen Tagestrip lohnt. Von Kos-Stadt aus, in den Sommermonaten auch von Kardamena, ist man binnen ca. einer bis anderthalb Stunde auf Nisyros. Auch Leros ist mit 3 Stunden noch gut erreichtbar.

Gesundheit, Ärzte

Auf Kos gibt es ein kleines Krankenhaus in Kos-Stadt, nicht allzu toll ausgestattet und herabgewirtschaftet. Dazu kommen ein paar niedergelassene Ärzte und ausreichend Apotheken in Kos-Stadt oder auch zwei Apotheken in Kefalos. Die Hotels kennen meist brauchbare Ärzte. Das reicht für Kleinkram. Wenn es ernst werden sollte: Nix wie weg. Eine Auslandskrankenversicherung garantiert den zügigen Rücktransport bei guten Flugverbindungen. Notfalls schnell per selbst organisiertem Boot rüber nach Bodrum in die Türkei, 30-45 Minuten. Medikamente muss man sich in Griechenland teilweise selbst erst in der Apotheke holen (lassen) und auch bei der Pflege gibt es Defizite. Das übernehmen besser Verwandte mit. Ansonsten hat die EU ein Abkommen, dass die Behandlung entsprechend der heimischen Krankenversicherung regelt – aber man muss in Vorkasse treten.